Wenn der Sauerteig Starter deine Aufstehzeit bestimmt

Heute hatte ich frei. Letzte Woche war ich am Kränkeln – natürlich geht man trotzdem arbeiten. Von außen würde man jetzt vermutlich denken: Ach schön, sie hatte frei, hat ausgeschlafen und entspannt.

Falsch.

Nachdem ich letzte Woche in einer Nacht 14 Stunden geschlafen habe, scheint mich der Schlaf nun zu meiden. Und wenn er sich doch einmal blicken lässt, dann schlafe ich unruhig und träume wirre Dinge.

Also dachte ich mir am Sonntagabend: Mensch, du könntest doch morgen früh um sechs mit deinem Freund aufstehen. Ganz nach dem Motto: Der innere Schweinehund kann mich mal.

Ich machte mir einen Plan, was ich alles erledigen wollte – und siehe da: Es kam eine ganze Menge zusammen.

Bevor ich ins Bett ging, fütterte ich noch meinen Sauerteig im Verhältnis 1:2:2, damit er morgens um halb sieben schön aktiv ist. Theoretisch zumindest.

Um 6:10 Uhr klingelte der Wecker. Und ja, da überlegt man kurz, ob man das wirklich durchziehen will. Und wofür eigentlich?

Natürlich war der Starter noch nicht so weit – in der Küche war es wohl doch etwas zu kalt. Also durfte er auf die warme Fensterbank umziehen und dort noch eine Stunde vor sich hin arbeiten.

Und ich? Ich musste etwas tun.

Um 6:58 Uhr stand ich auf dem Parkplatz des Supermarkts im Nachbarort. Ein seltsam gutes Gefühl. Irgendwie erwachsen. Irgendwie so, als hätte man das Leben im Griff.

Zurück zu Hause ging es endlich an den Sauerteig. Zwischen den einzelnen Stretch & Folds wurde geputzt, gefrühstückt und der Haushalt erledigt. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es halb zehn. Und ich dachte mir: Ja. So fühlt sich ein guter Montag an.

Für viele klingt das vermutlich nicht normal. Aber für mich ist es ein guter Montag, wenn der Haushalt läuft, der Sauerteig das tut, was er soll, der Staubsaugerroboter nicht mehr mein persönlicher Endgegner ist – und das Wetter im Vergleich zur letzten Woche auch noch mitspielt.

Am Nachmittag war ich noch ein paar Stunden in meiner alten Wohnung, in die nun mein Bruder einzieht. Die Vogelschutzzeit steht vor der Tür, also mussten noch ein paar Büsche zurückgeschnitten werden.

Und als alles erledigt war, gab es zur Belohnung ein kleines – sehr süßes, aber unglaublich leckeres – Stück Apfelkuchen bei meiner Oma.

Sie hatte das Rezept vor vielen Jahren von ihrer Schwester bekommen, es aber nie ausprobiert. Inzwischen lebt ihre Schwester nicht mehr – und nun hat sie das Rezept wiedergefunden.

Abends, nach so einem Tag, denkt man: Ich habe viel geschafft.

Und trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass ich so müde sein kann.

Eigentlich schreibe ich diesen Text nur, weil mein Freund mich überredet hat, noch ein bisschen etwas am PC zu machen. Sonst würde ich vermutlich schon seit 20 Uhr schlafend auf dem Sofa liegen.

Und vielleicht ist genau das auch okay.